Pensionskassen Januar 2019

Das Anlageumfeld bleibt anspruchsvoll

Für 2019 muss bei den Kapitalanlagen erneut mit einem schwierigen Marktumfeld gerechnet werden. Bild rawpixel, Unsplash

Nach einem schwierigen 2018 erwartet Pensionskassen ein anhaltend anspruchsvolles Anlageumfeld. Doch in unruhigen Zeiten bieten sich auch interessante neue Chancen. Wo wir diese sehen und was dabei zu beachten ist, zeigt Bernd Barth, Client Advisor, in seinem Ausblick auf 2019.

Das Anlagejahr 2018 war für die Pensionskassen ohne Zweifel sehr anspruchsvoll. Die grösstenteils negativen Anlageergebnisse auf der Einnahmenseite sowie die Kosten für die Verzinsung der Sparguthaben und massgeblich der Vorsorgekapitalien der Renten auf der Ausgabenseite belasten den Deckungsgrad der Pensionskassen. Dieser wird deshalb im Vergleich zum Jahresbeginn 2018 tiefer zu liegen kommen.

Jahr der Wende

An den Finanzmärkten hat sich 2018 rückblickend als Jahr der Wende entpuppt. Im Laufe der ersten Jahreshälfte ging dem vielbeschworenen global synchronisierten Wachstumsaufschwung die Puste aus und makroökonomischer Gegenwind sowie politische Sorgen begannen zu dominieren, sei es in der Form eskalierender Handelskonflikte, Kapitalflucht aus den Schwellenländern, schwächelnden Wachstums in China oder auch der erneut aufgeflammte Krisenstimmung an der EU-Peripherie. Zuletzt ist trotz anhaltend robustem Wirtschaftswachstum selbst der amerikanische Aktienmarkt ins Wanken geraten.

Wird 2019 erneut schwierig?

Für 2019 muss bei den Kapitalanlagen erneut mit einem schwierigen Marktumfeld gerechnet werden, auch wenn im ersten Quartal ein Erholungstrend nicht unwahrscheinlich ist, haben die Finanzmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2018 doch bereits Negativszenarien antizipiert, welche mit der an und für sich noch immer robusten Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft nicht wirklich vereinbar sind. Der nachlassende Rückenwind der Geldpolitik mahnt jedoch zu zunehmender Selektivität bei der Allokation des Anlageportfolios.

Defensive Qualität wird attraktiver

Augenfällig sind an den Aktienmärkten die stark ausgeprägten Bewertungsunterschiede zwischen den einzelnen Regionen und Ländern. Diese zu nutzen, erfordert allerdings die Bereitschaft Tracking-Risiken gegenüber den üblichen Benchmarks in Kauf zu nehmen. Der Schweizer Aktienmarkt gehört zwar zu den vergleichsweise hoch bewerteten, dürfte sich aufgrund seiner defensiven Qualitäten im kommenden Jahr jedoch trotzdem besser als der europäische Durchschnitt entwickeln.

Kommt die Rückkehr zur Normalität?

Im Europäischen Währungsraum stehen die Anstrengungen zu einer Normalisierung der Geldpolitik noch ganz am Anfang, dürften aber im Jahresverlauf Fahrt aufnehmen. Von der EZB - und in ihrem Fahrwasser auch von der Schweizer Nationalbank (SNB) - sind erste Schritte, sich vom herrschenden Regime negativer Geldmarktzinsen zu verabschieden, in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten. Dies wird dem langanhaltenden Aufwertungstrend des US-Dollar ein Ende setzen. Für Schweizer Anleger, welche ihre Fremdwährungsaussetzung aus US-Anlagen absichern, besteht vor diesem Hintergrund Hoffnung, dass die Absicherungskosten allmählich sinken werden, die 2018 erneut signifikant auf deutlich über 3% gegenüber der US-Währung angestiegen waren.

Hält der Trend zu Illiquiden Anlagen an?

Der Zinsanstieg am langen Ende hat sich allerdings nicht als nachhaltig erwiesen. So rentieren Schweizer Staatsanleihen aktuell noch negativer als vor einem Jahr. Dies lässt Obligationen weiterhin unattraktiv erscheinen und erklärt den nun schon geraume Zeit anhaltenden Trend zu illiquiden und alternativen Anlagen wie Immobilien, Private Equity oder Infrastruktur bei Schweizer Pensionskassen. Dem Chancenpotential dieser Anlagen stehen jedoch auch Risiken gegenüber, welche gerne unterschätzt werden, da sie erst unter widrigen Marktbedingungen zutage treten. So ist eine Veräusserung dann oft nur mit einem hohen Preisabschlag möglich.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Anteils illiquider Anlagen am Vermögensmix der 2. Säule. Quelle: Complementa Risiko Check-up 2018

Chancen in ausgewählten Immobilienmärkten

Am Schweizer Immobilienmarkt hinterlassen die hohe Bautätigkeit und die rückläufige Zuwanderung zunehmend Spuren auch im Segment der Wohnimmobilien. Dies reflektiert insbesondere die Entwicklung der kotierten Immobilienfonds. Das durchschnittliche Aufgeld (Agio), das die Differenz zwischen der Bewertung an der Börse und jener in den Büchern ausdrückt, liegt inzwischen bei 15% und damit weit unter den Werten von über 30% in 2017. Es lohnt sich der Blick über die Grenze, z.B. nach Deutschland: Auch dort stehen ähnlich viele Wohnungen frei, aber im Gegensatz zur Schweiz sind die Leerstände seit zehn Jahren rückläufig. Aber auch die Immobilienmärkte ausgewählter Asiatischer Länder und der Emerging Markets lassen angesichts wachsender Bevölkerung und zunehmender Urbanisierung Renditen im zweistelligen Bereich erwarten, welche die erhöhten Risiken mehr als aufwiegen.