Das zweite Quartal 2026 markierte einen Wendepunkt für die globalen Rohstoffmärkte. Die Beinahe-Schliessung der Strasse von Hormuz legte Verwundbarkeiten in Energie, Metallen, Landwirtschaft und Lieferketten offen, die die meisten Investoren nie modelliert hatten – und zeigte, dass moderne Rohstoffsysteme nicht durch die Verfügbarkeit von Ressourcen begrenzt werden, sondern durch Logistik, Infrastruktur und operative Flexibilität. Der Quarterly Report Q2 2026 liefert eine 360°-Analyse über alle wichtigen Rohstoffsegmente.

Commodities Quarterly Report Q2 2026
Report lesenDer vollständige «Chokepoint»-Report umfasst über 30 Seiten Analyse zu Energie, Industriemetallen, Edelmetallen und Landwirtschaft – mit Charts, Performancedaten, unseren wichtigsten Treibern sowie einem Ausblick für das zweite Halbjahr 2026.
Spotlights

Energiesicherheit verdrängt Dekarbonisierung von der Prioritätenliste
Die Beinahe-Schliessung der Strasse von Hormuz löste die grösste effektive Ölversorgungsunterbrechung seit 1973 aus – doch der eigentliche Engpass war nicht das Rohöl selbst. Raffinierte Produkte, LNG-Infrastruktur und Schifffahrtslogistik erwiesen sich als die bindenden Flaschenhälse. Gleichzeitig wächst die Stromnachfrage erstmals seit Jahrzehnten schneller als die Gesamtwirtschaft – angetrieben durch KI-Rechenzentren und eine beschleunigte Elektrifizierung.

Kupfer und Aluminium: Von zyklischen Rohstoffen zu strategischer Infrastruktur
Die Hormuz-Krise legte eine versteckte Abhängigkeit offen: Rund 50% des weltweit gehandelten Schwefels – ein kritischer Input für die Kupferverarbeitung – wird normalerweise durch die Strasse transportiert. Die Schwefelsäurepreise verdoppelten sich innerhalb von sieben Wochen. Aluminium verlor fast 4% der globalen Primärproduktion, da nahöstliche Schmelzwerke Schäden erlitten, die Monate zur Reparatur benötigen. Bedeutende Kupferfunde sind seit 2012 eingebrochen – ein Hinweis auf strukturelle Knappheit statt zyklischer Engpässe.

Reservewährung Gold und ein Düngemittelschock vor dem Nahrungsmittelschock
Gold zeigte trotz hormuzbedingte Deleveraging eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit – ein Signal struktureller Nachfragestärke, gestützt durch den 18. aufeinanderfolgenden monatlichen Goldkauf Chinas. In der Landwirtschaft entpuppte sich die Krise zunächst als Düngemittelschock: China, Russland und der Persische Golf kontrollieren über 60% des wichtigsten Düngemittelhandels und störten die Versorgung zu Beginn der Pflanzsaison auf der Nordhalbkugel. Anders als bei Öl braucht die Korrektur von Agrarversorgungsschocks ganze Anbausaisons.
Die drei Signale
- Das System, nicht die Ressource, ist der Engpass
Die Hormuz-Krise hat gezeigt, dass Rohstoffmärkte zunehmend durch Logistik, Raffineriekapazitäten, Lagerbestände und Lieferkettenresilienz begrenzt werden –nicht durch die absolute Verfügbarkeit von Öl, Metallen oder Düngemitteln. - Elektrifizierung und KI bepreisen Industriemetalle strukturell neu
Kupfer, Aluminium, Uran und Silber sind nicht mehr rein zyklisch. Eine Stromnachfrage, die schneller als das BIP wächst, kombiniert mit eingebrochenen Explorationspipelines und jahrelanger Unterinvestition, deutet auf ein strukturell engeres Marktumfeld bis zum Ende des Jahrzehnts hin. - Rohstoffaktien bleiben trotz Rekordgewinnen günstig
EPS-Wachstum im S&P 500 mit über 100% an; Energie folgt mit rund 60%. Dennoch macht Energie weniger als 4% des S&P 500 aus – deutlich unter dem 20-Jahres-Durchschnitt. Die Lücke zwischen Ertragskraft und Bewertung ist historisch weit.