Pensionskassen Mai 2019

Risikooptimierte Integration von ESG-Kriterien

Luftaufnahmen von Windturbinen im Sonnenuntergang: Der Druck auf Pensionskassen wächst, ihre Anlagen auf das Klimaziel des Pariser Abkommens auszurichten. BILD BENE_A ISTOCK

Mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens hat sich auch die Schweiz verpflichtet, ihre Finanzflüsse auf das 2-Grad-Klimaziel auszurichten. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Pensionskassen. Diesen bietet Picard Angst systematische Anlage-Strategien an, die auf einer risikooptimierten Integration von ESG-Kriterien basieren. So können ökologische, soziale und Governance Aspekte in einer effizienten Portfolio-Konstruktion berücksichtigt werden ohne von der Philosophie einer transparenten, indexorientierten Vermögensanlage abzuweichen.

Die berufliche Vorsorge hat als zweite Säule neben der AHV die Aufgabe, den Versicherten die Fortsetzung ihrer bisherigen Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen. Das BVG gibt Richtlinien vor, nach denen die Vorsorgeeinrichtungen ihr Vermögen anlegen müssen. Die Vorsorgeeinrichtung muss insbesondere einen Ertrag auf Niveau des Geld-, Kapital- und Immobilienmarktes anstreben. Die Finanzbranche ist bestrebt, Nachhaltigkeitsaspekte im Anlageprozess zu berücksichtigen und wird vom Bundesrat und verschiedenen Organisationen unterstützt, zum nachhaltigen Anlageverhalten insbesondere der Pensionskassen beizutragen.

Stand der Forschung zu ESG Anlagen

Doch nachhaltige Anlagen oder ESG-Anlagen sind ein sehr weites Feld mit vielen verschiedenen Anlageansatzformen, die verschiedene Anlageziele ansprechen. In den letzten Jahren haben viele Forscher aus Wissenschaft und Asset Management die Beziehung zwischen dem ESG-Profil von Unternehmen und ihren finanziellen Risiken und Renditeeigenschaften analysiert.

Tatsächlich war die Forschung so reichhaltig, dass mehrere Metastudien die Ergebnisse von über 1.000 Forschungsberichten zusammengefasst haben. Ein positiver Zusammenhang zwischen den Eigenschaften der ESG und der finanziellen Entwicklung konnte allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Die Gründe für diese nicht schlüssigen Ergebnisse beruhen einerseits auf den unterschiedlichen zugrundeliegenden Definitionen und anderseits auf den unterschiedlichen angewandten Methoden, insbesondere im Bereich der Kontrolle der Faktoreinflüsse (Regionen, Länder, Sektoren, Faktorprämien).

Höhere Rentabilität bei hohem ESG-Rating

Gewisse Annahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit können jedoch anhand empirischer Daten aufgezeigt werden: Beispielsweise scheinen Unternehmen mit einem starken ESG-Profil wettbewerbsfähiger als vergleichbare Firmen zu sein. Dieser Wettbewerbsvorteil kann auf einen effizienteren Einsatz von Ressourcen, eine bessere Entwicklung des Humankapitals oder ein besseres Innovationsmanagement zurückgeführt werden. Unternehmen mit hohem ESG-Rating nutzen ihren Wettbewerbsvorteil, um überdurchschnittliche Erträge zu generieren, was letztendlich zu einer höheren Rentabilität führt und sich in höheren Dividenden widerspiegelt.

Geringeres Risiko mit starkem ESG-Profil

Unternehmen mit starken ESG-Merkmalen haben in der Regel innerhalb des Unternehmens und innerhalb des Supply Chain Managements überdurchschnittliche Risikosteuerungs- und Compliance-Standards. Dank effizienteren Risikokontrollen leiden Unternehmen mit hohem ESG-Rating seltener unter schwerwiegenden Zwischenfällen wie Betrug, Veruntreuung, Korruption oder Gerichtsverfahren. Weniger häufige Ausfälle führen letztendlich zu einem geringeren aktienspezifischen Abwärts- oder Extremrisiko des Unternehmens.

«ESG-Kriterien können in einer effizienten Portfoliokonstruktion berücksichtigt werden, ohne von der Philosophie einer transparenten, indexorientierten Vermögensanlage abzuweichen.»

Marco Tinnirello, Senior Asset Manager

Ebenfalls konnte aufgezeigt werden, dass Unternehmen mit einem starken ESG-Profil weniger anfällig für systematische Marktschocks (Energie- oder Rohstoffpreisschocks) sind. Ein niedrigeres systematisches Risiko bedeutet, dass das Eigenkapital eines Unternehmens weniger stark den Marktschwankungen ausgesetzt ist und die Anleger entsprechend tiefere Risikoaufschläge fordern. Dies führt letztendlich zu niedrigeren Kapitalkosten für ein Unternehmen.

Schließlich zeigte sich auch, dass Unternehmen mit hoher ESG-Bewertung typischerweise transparenter sind, insbesondere in Bezug auf ihre Risikomanagement- und Governance-Standards.

Herausforderung ist die Interpretation der ESG-Daten

Obwohl die Verfügbarkeit von ESG-Daten nach wie vor eingeschränkt ist, da die notwendigen Informationen weitgehend von den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden und somit nicht immer vergleichbar sind, haben sich Breite und Qualität so weit verbessert, dass die ESG-Analyse zu einem integralen Bestandteil des Investitionsprozesses werden kann.

Die Implementierung von ESG-konformen Anlageansätzen ist jedoch nicht ganz so einfach, wie dies auf den ersten Blick erscheint. Nachhaltigkeitskriterien müssen definiert werden und das Vorgehen detailliert in einem Anlageprozess festgelegt werden.

ESG-Ratings sind mittlerweile von verschiedenen spezialisierten Anbietern verfügbar. Die ESG-Ratings verhalten sich konstanter als traditionelle Faktoren wie beispielsweise fundamentale Unternehmenskennzahlen. Die Einstufungen haben typischerweise über mehrere Jahre hinweg Bestand, was eine Integration in die Anlageprozesse erleichtert.

Unser Ansatz: ESG-Scoring

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Umsetzung von systematischen Anlagestrategien sind wir überzeugt, dass ESG-Kriterien in einer effizienten Portfoliokonstruktion berücksichtigt werden können ohne von der Philosophie einer transparenten, indexorientierten Vermögensanlage abzuweichen. Für unsere Investoren haben wir Konzepte entwickelt, die auf einer risikooptimierten Integration von ESG-Ratings basieren.

Das Anlageziel der institutionellen Investoren, ein Resultat im Rahmen der bekannten kapitalgewichteten Indices zu erzielen, soll anhand einer Optimierung erreicht werden. Anhand der definierten ESG-Scores wird dazu ein Portfolio konstruiert, das entlang der massgeblichen Dimensionen wie Grösse, Sektoren, Länderaufteilung, etc. dem Benchmark-Index folgt, jedoch in der Titelselektion gemäss den ESG-Scores abweicht. Somit werden Unternehmen mit hohen ESG-Ratings zu Lasten von Unternehmen mit tiefen ESG-Ratings favorisiert ohne jedoch die Grundeigenschaften des Mandats zu verändern.


Ihre Ansprechpartner

Marco Tinnirello

Senior Asset Manager - Head of Systematic Strategies

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Bernd Barth

Client Advisor Switzerland (German) & Liechtenstein

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