Rohstoffe Juni 2018

Erhöhen Russland und die OPEC ihre Förderquote?

Im Mai hat der Energiesektor weiter zugelegt. Die Lagerbestände nehmen ab, Inflationsdruck und geopolitische Risiken befeuern die Preise. Geben Russland und die OPEC Gegensteuer? David Lincke, Head of Portfolio Management zu den Rohstoffmärkten und den Erfolgen der Picard Angst Rohstoffstrategien im Mai.

Das positive Momentum an den Rohstoffmärkten hat im Mai eine Fortsetzung gefunden. Unterstützend gewirkt haben dabei insbesondere die anhaltend positiven Entwicklungen im Energiesektor. Doch auch der anziehende Inflationsdruck befeuerte die Rohstoffpreise und hat dazu beigetragen, den Gegenwind durch einen weiter ansteigenden US-Dollar zu parieren.

Risiken im Energiesektor nehmen zu

Mit dem einseitigen Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem multilateralen Nuklearabkommen mit Iran sind im Mai die geopolitischen Risiken im Energiesektor eskaliert. Unser Brent-Kursziel für dieses Szenario von USD 80 pro Fass wurde schneller als erwartet erreicht, bevor gegen Monatsende eine Preiskorrektur einsetzte (PACI EnergyTR Subindex: +3.82%, YTD: +14.65%). Ausgelöst wurde diese Korrektur von Verlautbarungen Saudi-Arabiens und Russlands, das man erwäge, anlässlich des am 22. Juni anstehenden Reviews des Übereinkommens zwischen OPEC und Russland über Produktionsbeschränkungen, diese um zwischen 300’000 bis 1 Mio. Fass pro Tag zu lockern.

Droht bereits anfangs 2019 ein Angebotsengpass?

Die OPEC hat das gesetzte Ziel eines Rückbaus der globalen Erdölvorräte auf das langfristige Durchschnittsniveau inzwischen mehr als erreicht. Das Rebalancing des Marktes ist zu einem beträchtlichen Teil einem robusten Nachfragewachstum insbesondere aus Schwellenländern zu verdanken, wo ein ungehemmter weiterer Preisanstieg die Nachfrage beeinträchtigen könnte.

Angesichts der Übererfüllung der OPEC-Quoten (172% im April) aufgrund von Angebotsausfällen (insbesondere Venezuela und prospektiv Iran) würde selbst eine Produktionserhöhung um 1 mb/d lediglich die ursprünglich intendierte Beschränkung des Angebots wiederherstellen. Eine Beibehaltung des aktuellen Regimes hätte jedoch spätestens in Q1 2019 ein kritisches Schrumpfen der OECD-Erdölvorräte zur Folge.

Wenn die OPEC und Russland ihre Produktion nicht erhöhen, erodieren die Lagerbestände der OECD weiter und es droht ein kritischer Angebotsengpass im ersten Quartal 2019. IEA, Goldman Sachs Global Investment Research

Eine deutliche Reduktion der extremen Anlegerpositionierung hat das Potential einer tiefen Preiskorrektur reduziert. Angesichts hoher Rollrenditen sollte der Brent-Erdölpreis zwischen USD 70 bis 75 einen Boden finden. Das anhaltende Produktionswachstum im US-Schieferölsektor, welches sich in H2 noch beschleunigen dürfte, setzte die Transportinfrastruktur zunehmend unter Druck. Der Discount von WTI gegenüber Brent hat sich in kurzer Zeit verdoppelt und könnte noch weiter ansteigen.

Fulminantes Comeback für Zucker

Im Industriemetallsektor glätteten sich die politischen Wogen wieder. Trotzdem sorgte eine Stabilisierung der Wachstumsaussichten dafür, dass die Preise der meisten Basismetalle einen moderaten Anstieg verzeichneten. Edelmetalle dagegen hatten stärker mit der sich fortsetzenden Erholung des US-Dollar zu kämpfen und selbst die Eskalation politischer Risiken in der EU angesichts der Formierung einer populistischen Regierung in Italien konnte einen leicht negativen Monat für den Sektor nicht verhindern. Der Agrarsektor war geprägt von einem fulminanten Comeback der bisherigen Verlierer dieses Jahres. So erlebte insbesondere der Zuckerpreis trotz anhaltender Überversorgung eine scharfe Erholung, während Getreide uneinheitlich tendierten.

Picard Angst bleibt einen Schritt voraus

Die Renditen der grossen Rohstoff-Benchmarks lagen im Mai dicht beieinander. So haben sich die Indizes Bloomberg Commodity TR und S&P GSCI Commodity TR um +1.42% bzw. +1.45% verbessert, während sich der Picard Angst Commodity Index (PACI) mit einem Zugewinn von +1.61% von beiden leicht absetzen konnte. Die Ergebnisse der Ex-Agrar-Strategien fielen im Vergleich erneut etwas besser aus und haben damit ihren Vorsprung auf Jahressicht ausgebaut. Dabei gelang es im Mai dem Picard Angst Energy & Metals Index (PNMI) sich mit einem Plus von +2.21% von den beiden Benchmarks Bloomberg Commodity ex-Ag ex-LS TR (+1.75%) und S&P Energy & Metals TR (+1.43%) deutlich abzusetzen.

Zu den Picard Angst Rohstoff Lösungen

Die OPEC und Russland erwägen, ihre Beschränkung der Erdölförderung um bis zu einer Million Fass pro Tag zu lockern. Der OPEC Generalsekretär Mohammed Barkindo spricht zur Presse am International Economic Forum in St. Petersburg im Mai 2018. YEGOR ALEYEV TASS